Brückenmännchen Bonn Beuel

Das Hinterteil zeigt in Richtung Bonn

Brckenmnnchen_Bonn_BeuelGeneralanzeiger vom 10.01.2008

Mit leicht drohendem Blick schaut das Brückenweibchen am Beueler Rheinufer in Richtung Bonn. Nur ein paar Schritte weiter, nahe der Personenfähre, hängt ein knubbeliges Etwas verhüllt an einer Steinplatte. Ein altes Pärchen, lange getrennt, wird bald wieder zusammen sein.

Das grimmige Weibchen hängt seit Dezember 2006 an seinem Platz. Schon damals hatte Hans Lennarz, Leiter des Beueler Heimatmuseums, bemerkt: "Da fehlt doch das Männchen." Steinmetzmeister Michael Naundorf bot spontan an: "Soll ich Dir eins machen?"

Die Idee wurde geboren und ansatzweise direkt umgesetzt. Denn die Steinplatte, an die das neue Bröckemännche angebracht werden sollte, ist schon lange in die Mauer des neu gestalteten Ufers eingelassen.

Während das Weibchen noch das alte Original ist, muss es nun mit einem Ersatzmann vorlieb nehmen. Ursprünglich hingen beide an der alten Rheinbrücke, die 1898 fertiggestellt wurde - und zwar an dem Brückentor auf der rechten Rheinseite, "um die Beueler zu ärgern", sagt Lennarz.

Brckenmnnchen_Bonn_Beuel_GA_10.01.2008Während die Dame durch ihre bösen Blicke auffiel, war es beim Mann das ausgestreckte Hinterteil. Übrigens nicht nackt, er trug eine Hose mit Flicken. Zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden Rheinseiten kam es damals deshalb, weil die Beueler die Brücke lieber etwas weiter nördlich haben wollten und weil sie für die verkehrliche Erschließung eine Menge Geld zu zahlen hatten, so Lennarz. "Weibchen und Männchen müssen bei der Einweihung eine Überraschung gewesen sein."

Als die Brücke 1945 gesprengt wurde, sind die Figuren nach unten gefallen. Gastwirt Otto war dabei so clever, sie sicher zu stellen. Was gar nicht so leicht war, denn die beiden bringen jeweils gut 180 Kilogramm auf die Waage. "Bis 1949 hatte er sie im Garten vergraben, zum Schutz vor Souvenirjägern", erklärt der Museumsleiter.

Als die Weiberfastnacht 1949 ihr 125-jähriges Bestehen feierte, fuhren Weibchen und Männchen auf einem Karnevalswagen mit. Sie kam danach ans Beueler Ufer, er an den Strompfeiler der Kennedybrücke in Bonn und streckte seinen Allerwertesten in Richtung Süden.

Bild_Brueckenmaennchen_Bonn_Beuel1960 brach er entzwei, weil ihn Jugendliche mit Steinen bewarfen. Die Trümmer fielen in den Rhein. Das wegen der jetzigen Brückensanierung abgehängte Männchen ist also ein Duplikat. Es besteht aus Eifeler Basaltlava, so Naundorf. Seine neue Figur dagegen hat er, wie das Original, aus Sandstein gemeißelt.

Und erstmals werden wohl auch die Gesichtszüge und Proportionen stimmen. Denn der Steinmetz hat alte Fotos ganz genau studiert und sie auf den Originalmaßstab vergrößert. Dabei stellte er fest, dass eine alte Aufnahme zwar viele Details zeigte. Allerdings muss es an der Linse und Kameraführung gelegen haben, dass das Männchen zu kurz aussieht. Das war leicht im Vergleich zum weiblichen Pendant auszumachen. So hat er seine Figur gestreckt gefertigt, damit alles passt.

Naundorf hat sein Werk nun den Bürgern gestiftet, der Heimat- und Geschichtsverein kümmert sich um die Präsentation. So weist eine Bronzetafel auf die Geschichte des Brückenmännchens hin. Dazu stellt Lennarz einen Spruch, den er auf einer alten Postkarte gefunden hat: "Am Brückentor auf der alten Rheinbrücke gen Beuel gewandt, dies kleine Männchen sein Plätzchen fand. Zum Trotze der Beueler rief es ganz laut, Bonn hat die Brücke fast alleine gebaut."

Lachend gibt der Museumsleiter zu, dass er das Wörtchen "fast" hineingeschmuggelt hat - ein alter Beueler eben. Und ob das Hinterteil gen linke Seite nun die Bonner ärgern soll? Wer weiß es? Mancher soll schon ein missmutiges Gesicht aufgesetzt haben. Bei allem Spaß ist es Naundorf wichtig, dass mit der restaurierten und der neuen Figur Brauchtum, Geschichte und Anekdoten am Leben gehalten werden.

Weibchen und Männchen verbringen die Jahre nun dicht beisammen am Strom. Nachwuchs ist allerdings nicht geplant.

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